In einem fernen Wald, dessen Bäume watteweiße und rosafarbene Blätter hatten, lebte ein kleines Krähenküken namens Nila. Nila hatte Federn in der Farbe sternklarer Nächte, und ihre Augen funkelten wie zwei schwarze Perlen. Sie ruhte sich in einem weichen Nest aus, das aus seidenen Fäden gewoben war.
An einem schönen Morgen blickte Nila zum Himmel hinauf. Sie wollte wissen, wie süße Zuckerwatten-Wolken wohl schmecken. Nila war noch sehr klein und konnte nicht allein bis über die hohen Bäume hinauffliegen. Sie setzte sich an den Rand ihres Nestes und starrte in die violette Ferne.
Plötzlich kam hinter einer riesigen Blume ein großer, goldener Schmetterling namens Zari hervor. Zari schlug mit den Flügeln und streute glitzernde Funken in die Luft. Er flog zu der kleinen Nila und sagte mit freundlicher Stimme: „Hallo, meine Freundin!“
Mit seinen kleinen Füßchen hob Zari einen magischen Tautropfen hoch, der wie ein Diamant aussah. Er gab den Tropfen Nila. Der Tau duftete nach Frühlingsblumen und nach Träumen. Nila nahm den Tropfen und genoss seine Kühle und Süße.
Zari flog wieder los und setzte sich oben auf einen Himbeerstrauch. Mit seinen Flügeln begann er zu tanzen, um Nila zum Lachen zu bringen. Goldene Funken rieselten von Zaris Flügeln auf Nilas Kopf und kitzelten sie. Nila lachte aus tiefstem Herzen.
In ihrem kleinen Herzen fühlte Nila etwas sehr Schönes. Sie wollte Zari sagen, wie sehr sie sich über sein Geschenk und sein Spiel freute. Aber sie kannte noch kein Wort, um all diese Freude zu zeigen. Nila schaute ihren neuen Freund nur freundlich an.
Zari merkte, dass Nila etwas sagen wollte. Er setzte sich ruhig an den Rand des Nestes und flüsterte: „Liebe Nila, wenn uns jemand ein Geschenk macht oder uns glücklich macht, gibt es ein Zauberwort, das Herzen hell werden lässt. Dieses Wort heißt ‚Danke‘.“
Nila schloss die Augen und versuchte, das Wort zu wiederholen. Sie holte tief Luft und sagte mit sanfter, melodischer Stimme: „Da... n... ke, liebe Zari!“ Kaum hatte sie dieses Wort gesagt, brach an einem Zweig des Baumes eine kleine Knospe hervor.
Zari war sehr glücklich, Nilas erstes Wort zu hören. Er nahm Nila mit seinen weichen Flügeln in den Arm. Der ganze Wald schien beim Hören dieses schönen Wortes heller zu leuchten. Nila wusste jetzt, wie viel Kraft freundliche Worte haben.
Die Sonne verschwand nach und nach hinter den Zuckerbergen. Während Nila ihren Kopf auf ihre weichen Federn legte, wiederholte sie leise für sich: „Danke.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Herzen voller Sterne schlief sie in ihrem warmen Nest ein.